Bildungstage am 03.-07.2026: „Glauben teilen, gemeinsam erleben“

Bildungstage am 03.-07.2026: „Glauben teilen, gemeinsam erleben“

Vom 03.-07.06.2026 fanden die Bildungstage für Tauben Menschen im Haus Immaculata statt.

Während des langen Wochenendes zu Fronleichnam traf sich eine Gruppe Tauber Menschen, um die Traditionen des Festes kennenzulernen, gemeinsam einen Blumenteppich zu basteln und sich intensiv mit den Abläufen eines Gottesdienstes zu beschäftigen.

Die Teilnehmenden erfuhren zunächst im Rahmen eines Rollenspiels von der Figur der Heiligen Juliana von Lüttich mehr darüber, was sich hinter Fronleichnam verbirgt. Anschließend gestalteten sie in sechs Kleingruppen sechs Teile des Blumenteppichs. Zusammengelegt ergaben die sechs einzelnen Bilder einen Gesamtteppich. In der Kapelle wurde der Teppich gleich für den anschließenden Wortgottesdienst genutzt.

Am Fronleichnamstag gaben Sr. Judith Beule und Clara Keck (Bistum Aachen) eine Einführung in die Abläufe eines Gottesdienstes. Die Teilnehmenden bekamen einen Einblick, welche Teile ein Gottesdienst beinhaltet und warum die einzelnen Teile so gefeiert werden. Nach der theoretischen Erklärung kam die Praxis: Einen Gottesdienst von A bis Z nachzuspielen und dabei das gelernte Wissen anzuwenden.

Später beschäftigten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen jeweils näher mit einem bestimmten Baustein des Wortgottesdienstes wie bspw. dem Evangelium und konnten die Ergebnisse mit allen teilen, sodass ein kompletter Ablauf entstand. Unter der Leitung von Sr. Judith und Clara Keck feierte die Gruppe dann einen Wortgottesdienst. Die Teilnehmenden erlebten diesen Gottesdienst als sehr positiv. Durch das zuvor erarbeitete Wissen hatten sie das Gefühl, sich bewusster einbringen zu können. Zum Beispiel erzählten sie, sie wüssten jetzt besser, was sie antworten sollen und warum die Antwort so gebärdet wird. Auch am Sonntag zur Eucharistiefeier im Dom brachten sich die Teilnehmenden aktiv ein, gebärdeten Lieder mit und erlebten einen inklusiven Gottesdienst.

Dabei war das neu gestaltete Heft zum Gottesdienstablauf für Taube Menschen eine gute Unterstützung, die sicherlich auch in Zukunft zum Einsatz kommen wird. Außerdem entstand aus einer Kleingruppe die Idee, einen Gebärdenchor in Paderborn zu gründen. Dieser hat jetzt schon sieben Mitglieder und freut sich in Zukunft auf neue Menschen. Die erste Probe findet am Sonntag, den 05.07.2026 nach dem inklusiven Gottesdienst um 11:45 Uhr statt.

Insgesamt waren alle sehr zufrieden, besonders über den gemeinsamen Austausch in Gebärdensprache und die Feier des Wortgottesdienstes in der Kapelle, der vielen Gänsehaut bescherte. Einige sind jetzt motiviert, den Kurs zur Wortgottesdienstleitung zu besuchen.

Geschafft! Basisqualifizierung „Dienende Seelsorge“ abgeschlossen!

Geschafft! Basisqualifizierung „Dienende Seelsorge“ abgeschlossen!

Vor zwei Jahren begann die Qualifizierung „Dienende Seelsorge“ für taube Menschen, die sich für die Mitarbeit in der Seelsorge interessieren. Am 20. 7. 2025 wurden die Zertifikate in einem feierlichen Gottesdienst, den die Teilnehmenden selbst gestalteten, im Bergkloster Bestwig übergeben werden.

Kurzfilm vom Gottesdienst

Wie alles begann?

Bislang gab es nur hörende Seelsorger und Seelsorgerin. Wäre es nicht sinnvoll, wenn taube Menschen, also Muttersprachler:innen mit ihren Lebenserfahrungen Seelsorgende werden?
Allerdings erweist sich ein theologisches Studium eine riesige Hürde, auch von den Zulassungsbedingungen.

Pfarrer Ralf Schmitz hatte die Katholischen Gehörlosengemeinde in Trier, die einzig anerkannte kath. Personalgemeinde für taube Menschen begründet. Es gelang ihm, dass ein tauben Mitarbeiter (Daniel Beinhoff) für die Seelsorge als Seiteneinsteiger eingestellt wurde. Gleichzeitig versuchte auch Sr. Judith Beule als Koordinatorin für die Seelsorge, zunächst in Berlin und dann in Paderborn, zu wirken. Darum wurde es immer dringender einen theologischen Basiskurs anzubieten. Über Kontakte in die USA erfuhr Ralf, dass dort ein neuer Kurs für Gehörlose in der Seelsorge gestartet wurde. Durch diesen Motivationsschub, überlegte er, wie das umgesetzt werden kann. Mit Angelika Sterr, Gehörlosenseelsorgerin aus dem Erzbistum München und Sr. Judith Beule, Koordinatorin für die Gehörlose und Taub-Blinde im Erzbistum Paderborn fand er schnell Mitstreiterinnen. Ebenso fanden sich mit Dr. Florian Kunz (mittlerweile Professor an der Katho Paderborn) und Marc-Bernhard Gleixner qualifizierte Berater. Das amerikanische Konzept konnte so auf deutsche Verhältnisse umgeschrieben werden und als „Basisqualifizierung Dienende Seelsorge“ angeboten werden. 7 taube Menschen entschieden sich für dieses Angebot.

Vor 2 Jahren startete die Basisqualifizierung „Dienende Seelsorge“ in Kooperation mit dem TPI (Theologisch-Pastorales Institut für berufsbegleitende Bildung der Bistümer Trier, Mainz, Fulda, Limburg). Das Angebot umfasste monatliche Online-Sitzungen am Wochenende, 3 Präsenzwochenenden und ab April 2025 eine Praxisphase mit einem Experiment und dessen Dokumentation für den Abschluss. Die Einheiten wurden begleitet mit Gebärdensprachdolmetschenden.

Besonders beeindruckend waren die ersten drei Einheiten mit den tauben amerikanischen Lernpartnerinnen. Mit dem Thema „Als tauber Mensch vor Gott“ ging es um eine tiefgreifende Reflexion zur eigenen Glaubens- und Lebensgeschichte.

Präsentation der Praxisexperimente am Abschlusswochenende:

Ziele der Basisqualifizierung:

Gott im eigenen Leben, in der eigenen Sprache, Kultur und Geschichte entdecken–

Verständnis für eine dienende (diakonische) Seelsorge entwickeln–

Seelsorge anbieten als Einzelne/Einzelner und im Team im Rahmen der katholischen Kirche–

Sich selbst als Seelsorger*in kennen und kritisch reflektieren–

den Glauben an Gott in der Gehörlosenkultur und für taube Menschen anbieten– befreiende Seelsorge ermöglichen

Ausschreibung „Dienende Seelsorge“

Erfolgreicher Abschluss

Angelika Sterr und Florian Kunz übergaben am Ende des Wochenendes die Zertifikate an 6 Absolvent:innen. Sie gratulierten den Teilnehmenden für ihre Engagement, ihre Ausdauer und Bereitschaft sich auf tiefe Erfahrungen einzulassen. Nun bleibt die Hoffnung, dass es künftig mehr möglich ist, dass die einzelnen Bistümer bereit sind Seiteneinsteiger, erfahrene Menschen in Beruf und Begeisterte für den Glauben anzustellen. Dass vor allem die Erkenntnis, dass taube Menschen die Fachleute für Gebärdensprache und taube Kultur. sind nicht nur Empfängerinnen von Seelsorge, sondern Anbieterinnen in der Nachfolge von Jesus.

Die Basisqualifizierung ist eine gute Grundlage. Es braucht sicher noch weitere Vertiefung, aber ein erster Schritt ist getan.

Leider konnte Ralf Schmitz diesen Moment nicht mehr erleben. Zu Beginn der Qualifikation erkrankte er schwer und starb im vergangenen August. Im Gottesdienst haben wir an ihn gedacht und für ihn gebetet. Wir spürten, dass er trotzdem mit uns ist.

Auftaktwochenende am 4.9.2023 in Valendar mit Ralf Schmitz

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